Corporate Innovation – Fokus BUILD

Im Rahmen der Entwicklung unseres Whitepapers "Corporate Innovation" haben wir uns mit ausgewählten Kunden und Partnern über deren Erfahrungen mit den jeweiligen Handlungsoptionen zum Thema Innovationsfähigkeit ausgetauscht. In unserem Blog wollen wir regelmäßig deren Perspektiven vorstellen. Im vorliegenden Beitrag geht es um die Learnings von Andreas Bätz vom Digital-Satelliten der BW|Bank in Berlin.

Corporate Innovation – Fokus BUILD

Im vergangenen Herbst haben wir unser Whitepaper zum Thema Corporate Innovation veröffentlicht. In diesem Whitepaper haben wir vier strategische Optionen vorgestellt, die Unternehmen zu mehr Innovationsfähigkeit verhelfen können: Make, Build, Partner und Buy.

Im vorliegenden Beitrag geht es um die Beleuchtung und Vertiefung der Handlungsoption „Build“.  Mit dieser Option entscheiden sich Unternehmen dazu, eine eigenständige Innovationseinheit aufzubauen, die entweder in den Räumlichkeiten des Unternehmens oder an einem Innovationsstandort „White Spaces“ identifiziert. Darunter versteht man neue Wachstumsfelder, die sich Unternehmen durch disruptive Geschäftsmodell-Innovationen zu erschließen erhoffen. Um ein genaueres Verständnis von „Build“ zu bekommen, haben wir uns mit Andreas Bätz vom Digital-Satelliten der BW|Bank in Berlin unterhalten.

Der Aufschluss zur „Digitalen Realität“ steht im Vordergrund

Etablierte Banken stehen aufgrund der Marktentwicklungen der letzten Jahre unter großem Zugzwang. Dieser kommt laut Andreas Bätz einerseits von neuen Spielern, die etablierte Finanzdienstleister in gleich mehreren Produktbereichen angreifen, darunter Zahlungsverkehrsmanagement (z.B. N26), Vermögensverwaltung (z.B. Scalable Capital) oder Finanzierung (z.B. Lendico). Andererseits haben Direktbanken in den letzten Jahren durch Produkt- und Serviceinnovationen digitale Standards geschaffen, zu denen etablierte Spieler wie die BW|Bank jetzt aufschließen müssen. Wenngleich der Großteil der BW|Bank-Kunden heute noch keine explizite Erwartungshaltung an radikale Innovationen hat, steht laut Andreas Bätz die Sicherung der Relevanz unter den Kunden von morgen, den Digital Natives, im Vordergrund. Diese kann nur dann garantiert werden, wenn sich die BW|Bank als Organisation umfassend wandelt und den Gegebenheiten des digitalen Zeitalters anpasst. Um diesen digitalen Wandel einzuleiten und voranzutreiben, hat die BW|Bank verschiedene Einheiten ins Leben gerufen, welche die BW|Bank Schritt für Schritt digitalisieren und somit zukunftsfähig machen sollen.

Der Digital-Satellit befeuert den Innovationsprozess

Der Digital-Satellit, eine kleine Einheit in einem Berliner Co-Working Space, ist einer dieser Initiativen der BW|Bank. Die Idee des Digital-Satelliten ist während der Entwicklung und Implementierung des BW|Bank Innovationsprozesses entstanden, der zur Identifikation, Selektion und Umsetzung von Innovationen im digitalen Zeitalter ins Leben gerufen wurde. Damals haben die Verantwortlichen festgestellt, dass es einer eigenständigen Einheit bedarf, um den Innovationsprozess zu befeuern. Wenige Monate später ist der Digital-Satellit am Innovationsstandort Berlin gegründet worden und kümmert sich heute darum, digitale Trends aufzuspüren, digitale Prototypen im Sparkassen Innovationshub zu entwickeln, neue digitale Produkte der Bank zu begleiten sowie den Kooperationsausbau im Fintech-Netzwerk (Start-Ups, Agenturen und Partnerbanken) zu vertiefen.

Arbeitsweisen strahlen umfassend auf den Konzern ab

Der Digital-Satellit profitiert einerseits von internen Ressourcen wie HR oder IT, kann aber in vielen Belangen unabhängig arbeiten, unkonventionelle Wege einschlagen und so Geschwindigkeit aufnehmen. Die Arbeitsweisen, so Andreas Bätz, unterscheiden sich grundsätzlich von denen des Konzerns. In vielerlei Hinsicht stellt er sich so das „Arbeiten der Zukunft“ vor. Die Mitarbeiter des Digital-Satelliten genießen viel Freiheit, müssen mit wenigen bürokratischen Hürden und/oder Hierarchie bedingten Abstimmungen kämpfen, können Aufgaben und Handlungsfelder größtenteils selbstständig bestimmen und profitieren von einem modernen Arbeitsplatz. Im Gegenzug erfordert diese Art des Arbeitens ein ganz neues Profil an Mitarbeitern, die intrinsisch motiviert sind, eine hohe Eigenverantwortung übernehmen und Chancen für die Weiterentwicklung der BW|Bank identifizieren und selbstständig nutzen.  Einer dieser Mitarbeiter, ein echter „Digital Native“, ist erst kürzlich hinzugestoßen. Die Stellenanzeige so zu verfassen, dass er sich angesprochen fühlt, in den Gesprächen das Image einer klassischen, schwäbischen Bank zu widerlegen und die Konditionen so abzustimmen, dass sie für ihn ein rundes Gesamtpaket darstellen, war für Andreas Bätz und die HR der BW|Bank ein wichtiger Lernprozess und nur eines der vielen Projekte, die zur sukzessiven Transformation der Bank beitragen. Durch solche gemeinsamen Initiativen zwischen dem Digital-Satelliten und dem Konzern wird die Transformation nachhaltig ins Unternehmen getragen und verspricht mit der Zeit eine umfassende Auswirkung.

Fünf Tipps zum Aufbau einer Innovationeinheit

1. Einfach mal machen.

Der Digital-Satellit ist laut Andreas Bätz auf eine für die Bank eher untypische, sehr pragmatische Weise entstanden. Es gab im Vorfeld zunächst diverse Impulse und Ermutigungen von externen Partnern. Ab einem gewissen Zeitpunkt war allerdings klar, dass ein Entschluss gefasst werden muss. Danach ging alles sehr schnell und Andreas Bätz wurde mit nur wenigen Leitplanken nach Berlin geschickt.

2. Nicht zu groß denken.

Die BW|Bank hat davon abgesehen, zu Beginn ein großzügig geplantes Innovationlab mit vielen humanen und hohen finanziellen Ressourcen auf die Beine zu stellen sowie mit einer lauten PR-Kampagne zu begleiten. Im Gegenteil: der Plan war, mit einem kleinen, agilen Team vor Ort zu sein, Erfahrungen zu sammeln, daraus zu lernen und so organisch zu wachsen.

3. Freiräume gewähren.

Heute weiß keiner genau, was morgen sein wird – weder die Manager einer Innovationseinheit noch das Management, welches diese entsendet. Aber das Management kann durch die Gewährleistung von Freiheiten und das Gestatten von Fehlern dafür sorgen, dass die Innovationseinheit unbekanntes Terrain erkundet und so Zukunftsfelder selbst erschließt. Dafür bedarf es Mitarbeiter, denen das Management vertrauen kann.

4. Sich räumlich loslösen.

Wer die Perspektive ändert, sieht die Dinge in einem anderen Licht. Andreas Bätz ist davon überzeugt, dass nur dann neue Denk- und Arbeitsweisen erprobt werden, eine andere Kultur erschaffen wird und somit Innovationen bewirkt werden können, wenn die Innovationseinheit außerhalb der Räume und somit des Einflussbereichs des Konzerns gegründet wird.

5. Netzwerke nutzen.

Bei der Wahl des Standorts war es Andreas Bätz sehr wichtig, auf ein großes, intaktes Netzwerk an bestehenden Partnern wie dem Sparkassenverband (DSGV), dem Sparkassen-Innovationshub in Hamburg oder Agenturen und Beratungen zurückgreifen zu können. So konnte er schnell neue Impulse bekommen, den Austausch fördern, von Experten lernen und so den Digital-Satelliten vorantreiben. Ohne die Partner, so Andreas Bätz, wäre der Digital-Satellit heute nicht so erfolgreich.

Unser Interview mit Thorsten Schapmann, der als Head of Digital die Innovationsfähigkeit von NIVEA treibt, zur Handlungsoption Make, die punktuelle Innovationsinitiativen, die Unternehmen von innen heraus umsetzen können, umfasst, finden Sie hier.