Corporate Innovation – Fokus PARTNER

Im Rahmen der Entwicklung unseres Whitepapers "Corporate Innovation" haben wir uns mit ausgewählten Kunden und Partnern über deren Erfahrungen mit den jeweiligen Handlungsoptionen zum Thema Innovationsfähigkeit ausgetauscht. In unserem Blog wollen wir regelmäßig deren Perspektiven vorstellen. Der vorliegende Beitrag vertieft die im Whitepaper dargestellte Option „Partner“ anhand eines Praxisbeispiels, dem amerikanischen Seed Acceleratoren Techstars. Hierzu haben wir uns mit Kyla Moss, International Implementation Managerin, über Kundenstruktur, Vorgehen und Erfolgskriterien eines Accelerator Programms unterhalten.

Corporate Innovation – Fokus PARTNER

Vor wenigen Monaten haben wir unser Whitepaper zum Thema Corporate Innovation veröffentlicht und die in dem Paper aufgeführten Handlungsoptionen Make und Build anhand von Beispielen aus der Praxis vertieft und veranschaulicht. Der vorliegende Beitrag behandelt nun die Option „Partner“. Dabei entscheiden sich Unternehmen dazu, mit Start-Ups zu kooperieren und so einen umfassenden Beitrag zur Transformation leisten. In der Praxis haben sich vorwiegend zwei Arten der Kooperation etabliert, von der sowohl etablierte Unternehmen als auch Start-Ups profitieren können: Inkubatoren und Acceleratoren.

Wir haben kürzlich ein Interview mit Kyla Moss, Internationale Implementation Managerin des amerikanischen Seed Acceleratoren Techstars, durchgeführt. Techstars ist ein weltweites Netzwerk, welches Unternehmern dazu verhilft, erfolgreich zu sein. Neben dem Metro Retail Accelerator hat Kyla Moss viele andere Acceleratoren Programme durchgeführt und uns ihre wertvollen Erkenntnisse aus den vergangenen Jahren näher gebracht.

Digitalisierung als Chance nutzen

Der technologische Fortschritt gleicht einer Revolution, die unsere Gesellschaft und Wirtschaft radikal verändert. Unternehmen aus etlichen Branchen stellen sich heute die Frage, wie sie bei der fortschreitenden Digitalisierung morgen noch ihr Geld verdienen werden. Ein Viertel der Deutschen Unternehmen sieht die Digitalisierung sogar als Gefährdung ihrer Existenz (Quelle: Bitcoin 2017). Anstatt in Schockstarre zu verfallen, versuchen viele Unternehmen die Digitalisierung jedoch als Chance begreifen.

Das sind auch die Unternehmen, die Techstars typischerweise zu seinen Kunden (im weiteren Verlauf „Veranstalter“ genannt) zählt. „Our clients typically don’t come from certain verticals – digitalization is encompassing. What they have in common is their innovation maturity stage – they have accepted that digitalization will change their entire business model and that they have to find ways how to cope with that” sagt Kyla Moss.

Im Kern geht es den Veranstaltern eines Techstars Acceleratoren Programms um drei Dinge:

  • Integration neuer Technologien
  • Einleiten eines kulturellen Wandels
  • Aufbau von Wissen und neuen Arbeitsweisen

Ein gutes Beispiel dafür ist die Barclays Bank, die bereits 2014, das Software-as-a-Service Start Up ClauseMatch im hauseigenen Techstars Acceleratoren Programm förderte. In der Zwischenzeit ist die ClauseMatch-Technologie, eine Software, die es mehreren Parteien gleichzeitig ermöglicht, kollaborativ an Dokumenten mit höchster Vertraulichkeitsstufe zu arbeiten, als zentrales Dokumentenmanagement-Tool integriert. Neben der reinen Zeit- und somit Kostenersparnis, welche die neue Technologie ermöglicht, hat Barclays während des Acceleratoren Programms und der intensiven Zusammenarbeit mit ClauseMatch viel von deren Arbeitsweisen gelernt und übernommen – mit dem Ergebnis, dass die Barclays Bank Verträge heute in sechs Wochen anstatt in neun Monaten finalisieren kann.

Accleleratoren Programme sind umfangreiche Unterfangen

Seit einigen Jahren erlebt Deutschland einen Accleratoren Boom. Es scheint in der Zwischenzeit nahezu zum Pflichtenheft eines DAX Unternehmens zu gehören, einen Accelerator in Berlin aufzubauen. Aus dem o.a. Druck zur Transformation starten Unternehmen ihren eigenen Accelerator, der dann mit den unternehmensinternen, oftmals komplexen Prozessen, welchen das Unternehmen eigentlich entgegenwirken will, konfrontiert ist: Die Rechtsabteilung wird hinzugezogen, IT Richtlinien müssen eingehalten werden und schließlich unterliegt der Accelerator einer komplexen Bürokratie. Aus diesen Gründen haben einige Unternehmen ihre Programme bereits wieder eingestellt.

Es empfiehlt sich also, die Konzeption und Durchführung eines Accelerators einem Spezialisten zu überlassen, der bereits Erfahrungen sammeln konnte und diesen komplexen Herausforderungen gewachsen ist. Techstars beansprucht für die Konzeption und Durchführung eines Acceleratoren Programms in etwa ein Jahr und gliedert dies in folgende Phasen:

Market Development

In ca. drei Monaten wird mit dem Partner-Unternehmen ermittelt, welchen Fokus (z.B. Branche, Technologie) es im Acceleratoren Programm festlegen soll.

Recruiting

In der ca. dreimonatigen Recruiting Phase werden nun sämtliche Stakeholder identifiziert. Zunächst gilt es veranstalterinterne Stakeholder zu erkennen, die für die Durchführung des Programms entscheidend sind und auch für die spätere Integration eines Start-Ups oder einer Technologie die Verantwortung übernehmen. Neben dem Projektverantwortlichen gilt es als Faustregel, vor allem das Management sowie den IT-Verantwortlichen mit an Bord zu haben. Weitere interne Stakeholder (z.B. Mentoren für die Start-Ups) werden im Rahmen eines Workshops ernannt.
Unter die externen Stakeholder fallen zum einen Mentoren, die für die Acceleratoren Programm-Phase identifiziert werden und sich aus Investoren, Gründern, Entwicklern sowie themenspezifischen Experten zusammensetzen. Zum anderen muss eine Longlist an relevanten Start-Ups für das Acceleratoren Programm zusammengestellt werden, die Techstars entweder in der unternehmensinternen Datenbank oder in einer Roadshow, z.B. in der Factory, findet. Im Fokus stehen Start-Ups in der ersten Seed-Phase.

Selection

In einem nächsten Schritt wird die Longlist in acht Wochen auf eine Shortlist gekürzt. In dieser sehr intensiven Zeit selektiert das Techstarts Acceleratoren Programm Team zusammen mit dem Veranstalter zehn Start-Ups. Dabei gilt: „An average idea with a great team will always outperform an great idea with an average Team“. Neben 120.000 EUR im Gegenzug von 6% Equity und der Teilnahme am dreimonatigen Mentoren Programm, wird den Start-Ups Zugang zum weltweiten Techstars Netzwerk bestehend aus mehr als 4.800 Mentoren sowie 3.300 Alumni in Aussicht gestellt.

Due Dilligence

Nachdem die Shortlist erstellt worden ist, gehen die selektierten Start-Ups durch eine ca. achtwöchige Due Dilligence Phase, in der v.a. die Technologie sowie die Lebensläufe der Gründer auf den Prüfstand gestellt werden.

Acceleratoren Programm

Das dreimonatige Acceleratoren Programm gliedert sich in drei Abschnitte. In den ersten vier Wochen werden die Start-Ups mit den Mentoren zusammengebracht, die das Geschäftsmodell gemeinsam mit den Start-Ups verfeinern sowie am Kunden testen. In den darauffolgenden Wochen geht es darum, die Learnings zu integrieren. Aus diesem Grund werden die Mentoren Sessions zurückgefahren. In der letzten Phase geht es vor allem um die Kommerzialisierung, Finanzierung bzw. die Einkommensströme und die Erarbeitung eines Businessplans sowie der Vorbereitung einer Pitch-Story. Am Ende dieser drei Monate steht der „D-Day“, an dem die selektierten Start-Ups vor einem großen Publikum bestehend aus potentiellen Investoren und Experten präsentieren, um Funding einzusammeln.

Drei Erfolgskriterien zum Aufbau eines Acceleratoren Programms

Human Capabilities
Die Qualität eines Programms steht und fällt mit dem Managing Direktor. Dieser muss nicht nur traditionelle Unternehmen und deren komplexe Prozesse verstehen, sondern vor allem umfangreiche Erfahrungen im Start-Up Umfeld gesammelt haben bzw. idealerweise selbst gegründet haben. Nur so kann der Managing Direktor auf die Bedürfnisse der Veranstalter, aber vor allem die der Start-Ups eingehen und das Programm so konzipieren, dass beide Seiten maximal davon profitieren. Nicht weniger wichtig sind erfahrene Mentoren, die Experten des Feldes sind, in welchem der Accelerator stattfindet und Start-Ups in fachlichen Belangen beratend zur Seite stehen. Diese Mentoren zu finden, nimmt einen großen Teil der Rekrutierungsphase ein.

Programm Content
Wenngleich die Phasen eines Accelerator Programms immer gleich sind (s. oben), so unterscheiden sich doch die Inhalte der Phasen von Programm zu Programm. Diese richten sich nach der Zielsetzung (s. oben) und Branche des Veranstalters sowie der Start-Ups. Beispielswiese spielt das Thema Datensicherheit im Agritech im Vergleich zum Inscuretech eine weniger prominente Rolle. Gemäß den Zielen werden dann auch KPIs festgelegt, anhand derer sich ein Erfolg der Acceleratoren Programme messen lässt.

Management Buy-In
Ein erfolgreiches Acceleratoren Programm bedarf einem Schirmherrn auf Führungsebene, welcher vor Beginn Aufklärungsarbeit leistet und Türen öffnet, während der Durchführung Präsenz zeigt somit Bedeutung verleiht und nach der Durchführung die relevanten Personen im Unternehmen befähigt, Learnings zu integrieren und ggfs. mit einem Start-Up zu kooperieren.

Wir stehen unseren Kunden im Bereich „Partner“ ebenfalls beratend zur Seite. Zu unserem Leistungsportfolio gehört u.a. die Auswahl an passenden Kooperationsmodellen, das Screening von Marktchancen sowie potentiellen Start Ups, Mentoren und Partnern, die Erstellung von Bewertungskriterien für die Selektion der Start Ups, sowie die Konzeption und strategische Begleitung bei der Implementierung des Kooperationsmodells.